Tierschutzrelevante Mängel - was nun?
1. Ich bin Zeuge und möchte den betroffenen Tieren helfen
Eine der häufigsten Fragen die uns erreicht, ist wie man sich richtig verhält wenn man Tierquälerei oder Mängel in einer Tierhaltung feststellt.
Die Antwort ist prinzipiell sehr einfach: Meldung beim zuständigen Veterinäramt machen!
Praktisch ist es aber nicht so einfach, da die Beobachtungen meist im engen Freundeskreis oder innerhalb der Familie stattfinden und ein Interessenkonflikt besteht.
Auch die Angst vor "Vergeltung" wenn die Missstände in der unmittelbaren Nachbarschaft beobachtet werden ist groß.
Trotzdem sollte man Meldung machen.
Hierfür gibt neben der direkten Meldung beim Veterinäramt auch die Möglichkeit einen Tierschutzverein in der Nähe zu kontaktieren.
Dies hat gleich mehrere Vorteile:
Wenn ihr uns etwas meldet behandeln wir eure Personalien garantiert absolut vertraulich.
Die Meldung ans Veterinäramt übernehmen wir und versuchen vorab mit dem betroffenen Tierhalter ins Gespräch zu kommen.
Meist sind Tierhalter uns gegenüber Gesprächs und kompromissbereiter als einem Amtstierarzt gegenüber.
Verläuft ein Gespräch positiv, melden wir auch das ans Veterinäramt. Ebenso die Mängel die wir beobachtet haben und die Ratschläge die wir gegeben haben und Hilfsangebote.
Wird die Hilfe und die Ratschläge angenommen und umgesetzt, erfolgt eine letzte Meldung ans Veterinäramt dass alles okay ist.

Werden wir abgewiesen muss das Veterinäramt tätig werden und zur Kontrolle vorstellig werden, falls nötig mit Polizei und einstweiliger Verfügung.
Schlechte Karten für eine gütliche Einigung.
Auch wenn unsere Ratschläge nicht umgesetzt werden, wird dies gemeldet und es erfolgt eine offizielle Kontrolle die dann in der Regel amtliche Auflagen nach sich zieht.
Vorteil für euch, WIR agieren als Zeugen.
Auch Veterinärämter behandeln eure Daten normalerweise mit Diskretion, zumindest bis zu dem Punkt wo sowas vor Gericht landet und Zeugen geladen werden.
Die meisten Tierschutzfälle können aber ohne Gerichtsverhandlung im Sinne der Tiere gelöst werden und ihr bleibt anonym.
Dennoch ist es wichtig dem Veterinäramt eure Daten zu nennen, falls Rückfragen sind.
Ebenso ist es wichtig so viel wie möglich fotografisch mit Zeitstempel zu dokumentieren.
Im Zweifelsfall kontaktiert uns und wir versuchen im Rahmen unserer Möglichkeiten zu helfen.
2. Bei mir stand das Veterinäramt vor der Tür und hat Auflagen erteilt
Auch wenn man bei einem Besuch vom Veterinäramt erstmal dazu neigt zu erschrecken und unsicher zu sein, das Wichtigste ist Ruhe bewahren und kooperativ zu sein.
Die denkbar schlechteste Reaktion ist den kontrollierenden Amtstierärzten den Zutritt zu verwehren.
Selbst wenn man weiß, dass z.B. der Flur noch nicht sauber ist, oder am Vortag etwas liegen geblieben ist. Auch Amtsärzte sind Menschen bei denen mal etwas liegen bleibt.
Ebenso sehen Amtstierärzte auch den Unterschied ob es nach einem Regentag oder im Fellwechsel einfach mal wüst aussieht, oder ob seit Wochen nichts sauber gemacht wurde.
Das Wichtigste jedoch:
Ziel der Veterinärämter ist es NICHT jemandem die Tiere wegzunehmen, sondern die Bedingungen zu schaffen damit sie bleiben können!
Und das ist auch das Ziel von Auflagen. Mängel beheben damit die Tiere BLEIBEN können.

Manche Anordnungen mögen auf den ersten Blick keinen Sinn ergeben, übertrieben wirken oder sinnlos. Wenn ihr etwas nicht versteht, fragt nach.
Auf gar keinen Fall sollte man diskutieren und Ausreden suchen, das nervt einfach.
Auflagen werden nicht willkürlich erteilt, und nur weil schon die Großeltern etwas so gemacht haben bedeutet es nicht dass es richtig ist. Ein Beispiel ist z.B. der Hund an der Kette.
Noch vor 30 oder 40 Jahren war das normal, und auch diese Hunde wurden teils sehr alt.
Heute wäre so etwas undenkbar.
Ebenso wie die Rolle des Hundes sich vom Nutztier zum Familienmitglied gewandelt hat, gilt dies auch für Kleintiere, Vögel, Exoten und Fische.
Nicht das nackte mehr oder weniger schadlose Überleben ist das Ziel, sondern Wohlbefinden.
Gleichzeitig liefern Biologen und Verhaltensforscher immer neue Erkenntnisse, die sich auch in den Haltungsempfehlungen und Mindestbedingungen niederschlagen.
Ziel einer jeden Heimtierhaltung sollte sein, dass es den Tieren gut geht und sie sich wohlfühlen.
Und genau dieses Ziel wollen Veterinärämter mit Auflagen erreichen.
Seid ihr unsicher oder wisst nicht wie ihr eine Auflage erfüllen könnt, kontaktiert uns. Wir helfen euch und treten auch gerne in den Dialog mit eurem Veterinäramt um einzelne Auflagen im Detail zu besprechen, einen Zeitplan zu vereinbaren oder auch um Fristverlängerung zu bitten.
Die Bedingung hierfür ist aber ABSOLUTE EHRLICHKEIT.
Fehler machen ist keine Schande, überfordert sein auch nicht.
Wir wissen dass niemand der uns um Hilfe bittet sein Tier angeschafft hat um es zu quälen, dennoch nützt es weder euch noch uns wenn ihr Dinge beschönigt oder verschweigt, im Gegenteil, es wird euch auf die Füße fallen.